Kontakt mit dem Weltraum – Die Bochumer Sternwarte

1960er / 70er Jahre und später

… hieß ein 1967 erschienenes Buch von Herbert Erdmann über die damals sehr populäre Satellitenbeobachtungsstation auf den Bochumer Ruhrhöhen. Dort war mein Vater, von Haus aus Radio- und Fernsehtechniker, seit 1964 angestellt.

Zuerst gab es auf dem Gelände in Bochum-Sundern nur ein flaches Gebäude mit einer Teleskopkuppel und einige Antennen auf dem Aussengelände, später wurde ein Radom gebaut, das eine 20m-Parabolantenne vor Wind und Wetter schützte. Dort war ich mehrmals mit meinem Vater und erinnere mich an spannende Aufstiege auf eine Arbeitsplattform im Zentrum der Antenne. Der Kontrollraum mit dem große Steuerpult erschien mir wie die Kommandozentrale eines Raumschiffs.

Apropos Raumschiff. Ich weiß noch gut, dass ich während einer Apollomission – war es Apollo 14? – dort war. Eine amerikanische Besucherin des Instituts übersetzte ein wenig aus dem für mich damals völlig unverständlichen Funkverkehr der Astronauten und während ich das jetzt schreibe, wird mir bewusst, welch großartiges Erlebnis das für mich als Schüler war. Auch das Fernsehen schickte Übertragungswagen und dann hieß es: „Aus Bochum berichtet Fritz Pleitgen.“

Mehrere eiskalte Winterabende habe ich in der Teleskopkuppel verbracht und bei Arbeiten an dem damals neuen Fernsehteleskop zugeschaut.

Diese Erlebnisse um 1970 hatten Einfluss auf die Wahl meines späteren Studienfachs: Ab Mitte der 1970er Jahre war ich an der Abteilung für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität eingeschrieben. Das Astronomische Institut der Fakultät unterhielt aber – freundlich ausgedrückt – keine Kontakte mit der Sternwarte, die sich mit Satellitenbeobachtung und später mit Umweltthemen befasste. Die Arbeitsgebiete beider Institute waren komplett disjunkt.

Die Sternwarte war eine kommunale Einrichtung. Sie wurde aus den Stadtsäckel bezahlt, dafür machte ihr Leiter Heinz Kaminski sie und Bochum weit über die Grenzen des Ruhrgebiets hinaus bekannt. In den späten 70er Jahren wurde jedoch die finanzielle Lage prekär und führte schließlich zur Umwandlung der Sternwarte in das Institut für Umwelt- und Zukunftsforschung (IUZ), nachdem die Stadt sich aus der Finanzierung zurück- und ihre Mitarbeiter abgezogen hatte.

In den 80er Jahren bin ich nach Bochum gezogen und habe lange in Weitmar gewohnt, eine knappe halbe Stunde zu Fuß von der Sternwarte entfernt. Bei Spaziergängen bin ich noch oft dort vorbei gekommen. Auf dem Gelände lagerten lange Zeit alte, in große Teile zerlegte (Militär-) Flugzeuge, die den Grundstock eines geplanten Heinz-Kaminski-Weltraummuseums bilden sollten. Die Flugzeuge waren eines Tages wieder verschwunden, das Museum wurde nie realisiert.

Der Ort war für mich längst schon nicht mehr mit dem Sternenhimmel verbunden, auch beruflich habe ich mich schon vor langer Zeit anders orientiert. Aber noch immer gilt, was Brecht in seinem Stück „Leben des Galilei“ den Kardinal Barberini sagen läßt:

„[…] habe ich ich auch etwas Astrononie gelesen, Bellarmin. Das hängt einem an wie die Krätze.“

PS: Alle Fotos habe ich im März 2007 aufgenommen.

Eine Erinnerung von Arne

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