Eröffnung der Jahrhunderthalle

27. April 2003

Mit einem „Tag der Offenen Tür“ wurde am 27. April 2003 die Jahrhunderthalle in Bochum durch Michael Vesper, dem damaligen Minister für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport und Gerard Mortier, dem Intendanten der Ruhrtriennale von 2002 bis 2004 wiedereröffnet.

1902 fand in Düsseldorf eine sogenannte „kleine Weltausstellung“ – eine Industrie- und Gewerbeschau statt, an der auch der Bochumer Verein teilnahm und dafür vom Architekten Heinrich Schumacher eine Halle entwerfen ließ, die man später auf dem Werksgelände verwenden könnte.
Die Geschichte der Jahrhunderthalle Bochum beginnt im Jahr 1903. Im Herzen des Stahlwerks „Bochumer Verein für Bergbau und Gußstahlfabrikation‹“ wurde die monumentale Stahlkonstruktion transloziert, die bis 1928 auf die imposante Größe von 9.000 m2 erweitert worden ist. Diese Gaskraftzentrale versorgte über sechzig Jahre das Stahlwerk und die Siedlung Stahlhausen mit Energie. Der letzte Hochofen auf dem Bochumer Werksgelände wurde 1968 stillgelegt. Die Maschinen in der nun funktionslos gewordenen Gaskraftzentrale wurden demontiert. Die Halle diente bis 1991 als Lager und Werkstättengebäude der Krupp Stahl AG.

Seit Anfang der neunziger Jahre wurde die Jahrhunderthalle für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Mit dem gemeinsamen Konzertereignis um Wagner und Stockhausen der Bochumer Symphoniker und der Radio-Philharmonie Leipzig unter GMD Eberhard Kloke Mitte April 1991 wurde die Entwicklung in Richtung Kultur gelegt, und die Jahrhunderthalle hatte ihren ersten Einsatz – wenn auch noch im unrenoviertem Zustand als Spielstätte. Man rechnete jedoch nicht mit den noch frostigen Temperaturen und musste die Veranstaltung in der Pause abbrechen. Die Saison in der Jahrhunderthalle wurde in den folgenden Jahren auf die wärmere Jahreszeit von Mai bis Oktober beschränkt.
Die freie Theatertruppe Stahlhausen Enterprises eroberte sich die noch unrenovierte Jahrhunderthalle. „Wir haben sie großflächig in Beschlag genommen“, sagte Prinzipal Axel Walter. Keiner kannte sich besser in der Halle aus.
Acht große Produktionen entstanden hier ab 1994, mit denen auch ein größeres Publikum erreicht wurde. „Der Bochumer Jedermann“ oder Brechts „Die Mutter“ sind Beispiele. Für Gudrun Gerlachs Stück „1000 Jahre sind ein Tag“ gelang es sogar, den großen Kran wieder in Betrieb zu nehmen. Heimlich hatten sie ihn durch den TÜV gebracht. Axel Walter: „Nach acht Jahren hatten man das Gefühl, die Halle gehört einem.“ Doch dann kam die Ruhrtriennale.

Zunächst sollte die Jahrhunderthalle aber das Herzstück des Erlebnisparks ANIMA werden, den der Wiener Multimedia-Künstler André Heller errichten wollte. Im Vorfeld wurde diese Unternehmung im Rahmen der Internationalen Bauausstellung als Touristenmagnet von europäischem Rang beworben. Jedoch scheiterten die Pläne und der Traum von einer Landschaft „voll sinnlicher Überraschungen für Jung und Alt“ zerplatzte. Auch die Anfang 2001 angestellten Überlegungen, die Ausstellung Planet of Visions in der Jahrhunderthalle zu präsentieren, konnten aufgrund der zu geringen Größe der Halle nicht realisiert werden.

Ab Februar 2002 wurde die Jahrhunderthalle nach Plänen des Düsseldorfer Architekturbüros Petzinka Pink und Partner zu einem spektakulären Festspielhaus umgebaut. Der einzigartige Innenraum mit seiner morbiden Ausstrahlung ist dabei nahezu unverändert belassen worden. Die dreischiffige Halle wurde für rund 37 Millionen Euro in drei flexible Spielstätten umgebaut. Insgesamt 2.600 Zuschauer kann die „Kultur-Kathedrale“ aufnehmen.

Für die kulturelle Nutzung entstanden zwei Neubauten: Entlang der Halle 1 ein Foyer und auf dem südlichen Vorplatz, ein zweigeschossiger unterkellerter Bau mit Galerie für die Pausengastronomie. Ein sechsgeschossiger Neubau mit Satteldach nimmt in der Verlängerung der Halle 2 am Wasserturm Aufenthaltsräume für Musiker und Darsteller auf.

Am 30. April 2003 – 100 Jahre nach ihrer Errichtung als Gaskraftzentrale – wurde die Jahrhunderthalle ihrer neuen Bestimmung als „Montagehalle für die Kunst“ (Gerard Mortier) mit der Eröffnungsaufführung „Phèdre“, von Gerard Mortier auf die Jahrhunderthalle maßgeschneidert inszeniert, dem Publikum übergeben.

Dank herausragender Ruhrtriennale-Produktionen wie Mozarts „Zauberflöte“, Messiaens „Saint Francois d’Assise“, Claudels „Der seidene Schuh“, der 2006 gefeierten Neuinszenierung der imposanten Oper „Die Soldaten“ von Bernd Alois Zimmermann oder die 2009 inszenierte Oper „Moses und Aaron“ ist sie zu einem der bedeutendsten Festspielhäuser der Gegenwart geworden. Pro Jahr zieht es viele Besucher aus aller Welt nach Bochum.

Jährlich feiert die deutsche Musikszene hier verschiedene Preisverleihungen wie etwa die
„1LIVE-Krone“. Zudem tagt in der Halle auch die Prominenz aus Politik und Wirtschaft, etwa auf Messen, Festivals, Galas oder Parteitagen.

Heute ist die 8.900 m2 große Halle, die unter Denkmalschutz steht, ein Hauptanziehungspunkt auf der Route der Industriekultur und gilt als Wahrzeichen für den erfolgreichen Strukturwandel der Region und als ein Symbol für die Zukunft. Mit dem Westpark ist die Jahrhunderthalle auch ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger und Radfahrer.

Eine Erinnerung von Norbert Hugo Wagner

1 Kommentar

  1. Leuchtfeuer der Kultur

    Wie schon mehrfach in diesen Forum („Eröffnung der ersten Spielzeit von Peter Zadek …“, „Essener Songtage“) lieferst Du auch hier eine sehr interessante und gut bebilderte Schilderung eines für den Kulturbetrieb des Ruhrgebiets wichtigen Ereignisses.
    Die Jahrhunderthalle ist ja inzwischen eine der renomiertesten Spielstätten der Region. Leider muss ich zugeben, trotz hochkarätiger Angebote noch keine Veranstaltung dort besucht zu haben .

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