Kahnpartie auf dem Mühlenteich

1933/1983

Es ist vielleicht nicht meine eigene Erinnerung, aber ich kenne den Ort. Ich habe ihn besucht. Ich sehe von dieser Erinnerung an den Ort durch das gläserne Auge des Fotografen. Durch dieses Auge bin ich dort, und bin doch zugleich nicht dort. Ich sehe das, was das Auge sieht, aber auch etwas, das es nicht sieht.

Ein alter Kahn auf einem Mühlenteich. Das ist in Grafenmühle, vielleicht schon 1933. Da werden im Dichterviertel in Hamborn Barrikaden gebaut. Sie sollen das Eindringen der SA in die Kolonie verhindern. Wir wissen, sie tun es vergeblich. Ebenso findet in Marxloh ein Judenumzug statt. Zwei jüdische Bürger werden durch die Straßen geführt und verspottet. Es laufen so viele Menschen mit, aber sie erinnern sich nicht daran. Ihre Begleitung ist wie der Ruf: „Kreuzigt sie!“, dabei gehen viele noch regelmäßig in die Kirche. Die Brotfabrik „Germania“ im Holtkamp hinter dem hamborner Bahnhof arbeitet schon unter der Leitung von August Kordahs. Mit seinem Wissen werden mit dem Brot und den Brötchen verbotene Broschüren ausgeliefert. Sie werden für die SPD im prager Exil gedruckt. Dieses Netz fliegt auf. 1935 werden insgesamt 200 Personen von der Gestapo verhaftet, die mit dieser Brotfabrik in Verbindung stehen. Es kommt zum Prozeß. Der frühe Widerstand ist gebrochen. Das ist in wenigen Skizzenstrichen der zeitliche Hintergrund.

Fünf junge Leute machen einen Ausflug nach Grafenmühle. Vier junge Leute sitzen im Kahn. Dieser ist sicher noch von einem Bootsbauer. Holzplanke ist an Holzplanke gefügt. Er hat die Form einer längs aufgeschnittenen Banane. Der Bogen ihres Querschnittes taucht dann ins Wasser. Die jungen Leute leihen sich das Boot aus. Reicht das Geld für eine halbe Stunde oder eine Stunde? Es ist ein harmloses Freizeitvergnügen am Rande des Kohlenpotts. Hier sind die jungen Leute dem Rauch der Schlote der benachbarten Großstadt entkommen. Das Bergwerk Walsum ist noch nicht abgeteuft, Wehofen fördert nicht mehr und seine Gaskohlenfelder werden zum großen Teil dem Schacht 2/5 zugeschlagen.

Fünf junge Leute machen ein Ausflug mit dem Fahrrad von Walsum über Hiesfeld durchs Rotbachtal nach Grafenmühle. Die vier im Boot und der Fotograf, der kein Fotograf ist sondern einfach ein junger Mann. Grafenmühle ist ein Teich im Wald, vielleicht eine unbewußte Erinnerung an eine andere Heimat. Teils sind sie schon hier geboren, teils noch in der Heimat ihrer Eltern. Vom Mühlenwehr an abwärts heißt das Gewässer Rotbach. Noch erreicht er aus eigener Kraft seine Mündung in Möllen am Rhein.

Für das explosive Wachstum der Städte nach der Jahrhundertwende gibt es in der Umgebung nicht mehr genug Menschen. Soll ich die jungen Leute Migranten nennen?
Der junge Mann ganz vorn im Bug trägt eine Schiebermütze. Er wohnt im Ledigenwohnheim auf der Wiesenstraße in Marxloh. Er kommt aus der Eifel und arbeitet auf der Hütte. Eines Tages möchte er zurück, um die Gastwirtschaft seines Vaters zu übernehmen. Seine Schwester führt dort die Post. In seiner Freizeit boxt der Hüttenarbeiter im Verein. Sehr zum Leidwesen seiner jungen Frau. Oberhalb des Schirms der Schiebermütze blitzt so etwas wie ein kleiner Knopf. Ein Abzeichen? Der Hüttenarbeiter sitzt im Bug. Er sitzt mit dem Rücken zur Fahrtrichtung.

Der Mann auf der Ruderbank in der Mitte ist sein Schwager. Er bewegt die Ruderblätter. Der Ruderer ist in Walsum geboren. Nach der Volksschule macht er keine Lehre. Dabei interessiert er sich sehr für Elektrizität. Er möchte lieber sofort Geld verdienen. Er nimmt eine Arbeit im Strandhaus Ahr auf. Das liegt am Rheinufer in Götterswickerhamm. Der Ruderer hat seine beiden Schwestern mitgebracht. Sie sitzen hinten im Heck und haben ihren Kopf zur Seite gedreht. Sie blicken zum Fotografen. Die vordere hat sich etwas geduckt und nach vorne gebeugt, die hintere hat sich etwas nach hinten gestreckt. Sie ist die junge Ehefrau des Hüttenarbeiters. Sie sind vielleicht ein Jahr verheiratetet. Die Frauen tragen Sommerkleider. Offensichtlich ist es warm. Jenseits des Ufergrüns schimmern ein paar Birkenstämme hell ins Bild hinein. Die Ehefrau und die jüngere Schwester wollen beide auf das Foto.
Der Fotograf ist anwesend aber unsichtbar wie alle Fotografen. Sie sind da und doch sind sie nicht da. Sie nehmen teil und tragen doch nur das gläserne Auge des Betrachters. Eines Tages sieht der Betrachter das Foto, ohne daß die Modelle ihn kennen. Jeder Betrachter nimmt Teil über die Fotografen. Doch egal wie viele Bilder sie machen, von ihnen gibt es kaum eines. Sicher trägt der Fotograf genau so Anzug und Krawatte, wie die beiden jungen Männer auf dem Boot.

Es ist vielleicht Sonntag. Ein Sonntag im Frühling oder im Sommer, ein Sonntag in der weiteren Jugend, im Frühsommer des Lebens. Der Fotograf hat eine einfache Boxkamera. Da nützt es nichts, wenn er Rollfilm im Format 6×6 verwendet. Es kommen doch viele Kleinigkeiten nicht aufs Bild. Für eine wirklich gute Kamera reicht es nicht. Der Fotograf beendet eine zweite Lehre als Kaufmannsgehilfe. Die erste als Schlosserlehrling kann er nicht beenden. Er erkrankt und mit dem dabei erworbenene Herzfehler kann er keine schwere körperliche Arbeit mehr leisten. Ich weiß nicht, ob er schon in einem Büro bei der Stadt arbeitet oder ob er noch arbeitslos ist, als er das Bild aufnimmt. Auch wenn er seinen neuen Beruf einzig seiner schweren Krankheit verdankt, denken weder der Hüttenarbeiter noch der Ruderer daran. Sie wissen vielleicht nichts von seiner Krankheit. Für sie ist er der feine Pinkel: Er macht sich bei der Arbeit die Finger nicht schmutzig und er geht nicht boxen sondern liest Bücher. Er gehört nicht wirklich zu ihnen. Auch wenn er ihr Schwager wird. Er ist der Fotograf und nicht mit auf dem Boot.

Unsichtbar wie der Fotograf, aber doch anwesend, die Träume der jungen Leute: Eine sichere Arbeit, eine eigene Wohnung mit eigenem Kohleofen, eine kleine Familie: Kinder! Eine eigene Toilette in der Wohnung und nicht auf dem Treppenabsatz oder sogar ein Badezimmer sind ein Traum. Doch mit fünf Reichmark wird die Einkaufstasche voll. Der Fotograf wohnt bei seinen Eltern. Wenn er auf dem Büro arbeitet, bekommt er hundert Reichsmark im Monat. Davon gibt er fünfundneunzig als Kostgeld zu Hause ab.

Der Hüttenarbeiter kommt aus der Eifel. Die Ehefrau und ihre jüngere Schwester haben zwei Brüder. Nur einer ist dabei: Der Ruderer. Die älteste ist noch, in Pomerellen geboren, einem malerischen Land aus Seen und Wäldern. Die jüngere Schwester, der Ruderer und der jüngste Bruder sind in Walsum am Rhein geboren. Der jüngste Bruder ist nicht dabei. Vielleicht konnten nicht genügend Fahrräder geliehen werden. Um die Fahrräder hat sich der Fotograf gekümmert. Auch hat er zuvor der jüngeren Schwester das Radfahren beigebracht. Die jüngere Schwester ist seine Freundin. Der Fotograf und der Hüttenarbeiter haben eigene Fahrräder. Ein richtiger Luxus!

Die jungen Leute lieben Musik. Die Schlager ihrer Zeit. Zwar gibt es seit 1923 den Rundfunk, aber Radios sind eine Seltenheit. Der Fotograf kann auf der Rheinwerft ein altes Schiffsradio erwerben. Das ist schon kein Detektoremfänger mehr, bei dem man mit der Nadel auf dem Bleiglanzkristall die richtige Stelle treffen muß, damit es funktioniert. Mit viel Glück hört man etwas im Kopfhörer, wenn es ganz still ist. Das Schiffsradio besteht aus zwei groben Klötzen und hat sogar einen Lautsprecher: Es muß nicht mehr absolut still sein, wenn jemand Radio hören will. Der Hüttenarbeiter besitzt sogar ein Grammophon. Die Nadeln zum Auswechseln gibt es im Zehnerpack. Die Schallplatten sind zerbrechliche schwarz glänzende Scheiben aus Schellack. Die beiden Schwestern bekommen die neuesten Lieder von ihrem Bruder, dem Ruderer. Der arbeitet als Kellner im Strandhaus Ahr am Rhein. Zu Hause singt er das vor, was er dort hört: „Wochenend und Sonnenschein…“ , „Ich hab‘ das Fräulein Helen baden seh’n, das war schön….“und viele andere Lieder. Als Kellner im Strandhaus Ahr kann er das. Als Elektrikerlehrling könnte es das nicht.

Westpreußen ist die Heimat der Eltern des Ruderers. Trotzdem lernen sich seine Eltern in Walsum kennen.Für die Menschen in Westpreußen liegt Walsum im Rheinland, wo die Würste auf den Bäumen wachsen. So etwas sagt man, wenn es nur gelegentlich Arbeit bei einem Bauern auf den Feldern gibt. Unkraut jäten, Kartoffeln sammeln, bei der Ernte helfen. Wenn sie kein Deutsch sprechen, lernen sie es auf der Schule. Die Unterrichtssprache ist Deutsch. Der Vater des Ruderers zieht mit einem Bruder in den Westen. Der wohnt in Meiderich und ist sein einziger Verwandter dort. Ein dritter Bruder übernimmt den Hof in Westpreußen. Der Vater des Ruderers versucht sich als Bergmann in Norddeutschland. Die Arbeit unter Tage gefällt ihm nicht. Er liebt das Licht und ist leidenschaftlicher Hobbygärtner. Er wird Straßenbahnfahrer bei der Kreis Ruhrorter Straßenbahn: Dreizehn Minuten nach Dinslaken Bahnhof, dreißig Minuten nach Meiderich Bahnhof. Dort lebt und arbeitet der Onkel des Ruderers als Arbeiter bei der Eisenbahn. Er selbst wohnt gleich hinter dem walsumer Straßenbahndepot. Seine Frau lernt er als möblierter Herr kennen. Er wohnt bei einer Schneiderin. Seine Frau ist die jüngste Schwester dieser Schneiderin, bei der er sein Zimmer hat. Sie kommt ebenfalls aus Westpreußen. Später kehrt die Schneiderin in ihre Heimat zurück. Im Rheinland bleiben ihre vier Töchter und ihre jüngste Schwester. Der Straßenbahnfahrer heiratet sie. Dabei ist sie schon nicht mehr ganz jung und hat eine kleine Tochter von drei Jahren: Die junge Ehefrau des Hüttenarbeiters auf dem Boot mit der grob gehäkelten Mütze! Die, die sich etwas nach hinten lehnt. Westpreußen liegt nun in Polen.

Die Schwester dieser jungen Ehefrau trägt ihre helle Mütze sehr über die rechte Seite ihres Kopfes herabgezogen. Sie ist die Freundin des Fotografen. Der Fotograf ist der einzige Sohn seiner Eltern. Er hat noch vier Schwestern. Der Vater des Fotografen stammt aus der Eifel, wie der Hüttenarbeiter. Er ist von Beruf Maurer. Als junger Mann zieht er von Baustelle zu Baustelle. Immer dem Brot nach. Im Bergischen Land hat er an den steinernen Bogenbrücken der Eisenbahnlinie nach Lindlar gemauert. Nach dem Ersten Weltkrieg gibt es diese Arbeiten nicht mehr. Die junge Weimarer Republik muß 5000 Lokomotiven als Reparationszahlung an die Siegermächte zahlen. Da können keine neuen Eisenbahnstrecken gebaut werden. Immerhin, im Bergischen Land heiratet er seine Frau von dort. Zunächst bleiben sie in Lindlar. Der Fotograf kennt sogar noch die Schule im Bergischen Land. Sie steht in Engeldorf, dort wo sein Großvater mütterlicherseits wohnt. Einen Schulranzen besitzt der Schüler nicht. Bücher und Hefte werden von einem Riemen zusammen gehalten. Im Winter wird der Schulweg versüßt: Es geht mit dem Schlitten den Berg hinab. Zeit seines Lebens sehnt er sich nach dieser Heimat zurück. Vielleicht auch nach der Unbeschwertheit seiner Kindheit, der Geborgenheit, der Vertrautheit mit den Menschen, dort wo jeder jeden kennt. Doch sein Vater zieht mit der jungen Familie ins Ruhrgebiet. Auf dem Hof seines Schwiegervaters gibt es keinen Platz für ihn und seine junge Frau. Er hat eine Familie. Er hat Verantwortungsgefühl. Er muß seine Familie ernähren. So wie er überleben zwei seiner Brüder den Ersten Weltkrieg. Der dritte stirbt schon zu Beginn des Krieges. Mit seinen beiden Brüdern, die ebenfalls den Ersten Weltkrieg überleben, mauert er zunächst beim Bau des Freibades in Hiesfeld mit. Später findet er eine Arbeit auf der Hütte. Als Hochofenmaurer muß er oft an den großen Feiertagen ran, wenn ein Hochofen heruntergefahren wird, um die Ausmauerung zu renovieren oder zu erneuern.

Die Freundin des Fotografen geht nach der Volksschule nach Holland. Als Hausmädchen. Heute heißt das Au pair. Sie kennt Voorburg und das Meer in Scheveningen. Sie übernimmt die Hausarbeit für eine schwangere Frau auf der Hoekenburg Laan. Sie lernt ein bißchen Holländisch. Sie kauft Gemüse beim „groenteboer“, dem Gemüsehändler und kocht „wermeselli“: Nudeln. Sie hört das Lied von der „moje mole“, der schönen Mühle. Die Schwester des Fotografen ist auch eine Zeit in Holland. Sie vermittelt diese Arbeit. Sie sind Nachbarinnen. In Deutschland gibt es sechs Millionen Arbeitslose. Stimmt das? Der Fotograf, seine Schwestern, seine Freundin und deren Brüder wohnen auf der gleichen Straße. Sie gehen auf die gleiche Schule. Wie in einem Dorf! Dabei wachsen die Städte immer noch. Sie wachsen über ihre Grenzen nach außen. Die großen gemeinden die kleineren ein. Ein bißchen Natur gibt es jenseits der Ränder. Zum Beispiel in Grafenmühle: Ein Teich im Wald, der ein bißchen an die Natur in Westpreußen erinnert.

Fünf junge Leute sind auf einer Kahnpartie. Vier sichtbare und ein unsichtbarer Fotograf. Ist es ein Augenblick des Glücks? Ein Augenblick der Entspannung? Doch bei einer Rast im Wald, als sie vor vor den Fahrrädern sitzen, blicken sie so ernst drein. Was machen sie, wenn sie wieder zu Hause sind. Rufen sie auch „Heil, heil, heil…“ wie so viele und beschwören damit das Unheil? Ich kann niemanden fragen: Mein Blick geht durch die Linse des Fotografen, meine Stimme kann das so wenig wie ihre.
Im Zweiten Weltkrieg wird der Fotograf nicht eingezogen. Seine Krankheit bewahrt ihn anscheinend vor einer tätigen Schuld. Dafür wird er auf den Förderturm geschickt. Wenn die Bomben fallen, muß er melden, wo sie niedergehen. Er hat Glück: Er bekommt keinen Volltreffer. Seine kleine Familie, das ist die jüngere Schwester der jungen Ehefrau vom Kahn, mit vier Kindern wird nach Österreich evakuiert. Der Kellner vom Strandhaus Ahr kommt wohl zu einer Funkmeßeinheit nach Norddeutschland. Vom Hüttenwerker ist nichts bekannt. Die jungen Leute überleben den Krieg. Sie lernen die schlechte Zeit kennen, den Mangel, den Schwarzmarkt, leben in hergerichteten Ruinen. Sie reisen mit Lebensmitelkarten in überfüllten Zügen, wenn sie hören, in Oberhausen kann man für Bananen anstehen oder in Walsum gibt es Butter oder in Hamborn Kartoffeln. Die Straßenbahn nach Hamborn endet an der Emscher in Sichtweite der Kirche St. Josef in Aldenrade. Ein schmaler Steg geht über den stinkenden Fluß, auf der anderen Seite weiter geht es dann weiter. Allmählich wird alles wieder normal.

Die ältere Schwester stirbt mit 38. Der Traum von der eigenen Familie und den eigenen Kindern hat sich nicht erfüllt. Der Kellner kehrt von seiner Einheit in Norddeutschland zurück. Er arbeitet auf der GHH als Betriebselektriker, nachdem er die Externenprüfung macht. Bald hat er eine kleine Familie: Frau und Tochter. Nach einem Motorrad schafft er sich schon früh ein Auto an: Einen stinkenden Zweitakter. Mit dem Lloyd 600 besucht er seinen Schwager, den Hütttenarbeiter, in der Eifel. Der hat die Gastwirtschaft übernommen. Er gründet dort nach dem Tod seiner ersten Frau eine Familie in Wallenborn. Der Kellner stirbt mit 49 und hinterläßt eine Frau und eine Tochter. Dann stirbt der Fotograf mit 56. Nach einem Schlaganfall ist er Frührentner. Er ist der Ehemann seiner Freundin und Vater von acht Kindern. Der Hüttenarbeiter wird über siebzig Jahre alt. Zuletzt stirbt die jüngere Schwester, die Freundin des Fotografen, die auf der rechten Seite des Bootes hinten sitzt. Doch auf dem Kahn sieht niemand den Tod als sei alle Zeit in einen Augenblick gepreßt.
Auch ich war in Grafenmühle. Sehr viel später habe ich auf dem Teich gerudert. Mir hat es Spaß gemacht. 1983 gab es diesen Teich nicht mehr und natürlich auch keine Boote auf diesem Teich. Von dem Foto wußte ich nichts. Ich kannte die Leute kaum. Gerade darum wollte ich immer wissen, wer diese Menschen waren und wann das Foto gemacht wurde.
Darf ich mich überhaupt daran erinnern? Doch wenn ich es nicht versuche, wer soll es dann können? Ist die Kahnpartie nicht ein Moment, wo jeder die Zeit anhalten möchte? „Panta rhei“ sagt Heraklit, alles fließt, alles verändert sich, der Fluß, in den die Kühe steigen ist nicht der gleiche wie der, aus dem sie klettern.

Ich danke der Friedrich-Ebert-Stiftung in Bonn für die Broschüre über den frühen Widerstand im Nationalsozialismus und Herrn Hans-Joachim Meyer vom Hamborner Verlag, besonders für den Band „Das Rezept – auf jüdischen Spuren in Holten, Hamborn, Duisburg“ sowie den weiteren Bildbänden über Hamborn, wie auch der Seite des leider verstorbenen Dieter Schulze-Elvert, die man unter dem Stichwort „Hamborner Bergbau“ erreichen kann. Diese Quellen haben mir geholfen, neben Darstellungen allgemeiner Geschichte und mündlichen Zeugnissen, den zeitlichen Hintergrund zu beleuchten.

Eine Erinnerung von M. Andres

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