Erzbahntrasse – 50er Jahre und heute

1955

Die alte Werksbahn, die vom Rhein-Herne-Kanal bis zum Bochumer Verein führte und u.a. über die Pfeilerbrücke mit der Kray-Wanner Bahn und der Zeche und späteren Kokerei Alma verbunden war, ist für mich ein ganz besonderer Erinnerungsort.

Aufgewachsen in den frühen 50er Jahren in der Almastraße direkt hinter der Kokerei, gehörten die vielen Bahnlinien zu meinem Alltag. Sonntags sind wir häufig zu einem langen Spaziergang  bzw. Fußmarsch in Richtung Südfriedhof aufgebrochen, um die Gräber unserer Lieben zu besuchen. Dabei führte der Weg durch damals weitgehend unbebautes Land, über uns die Brücken der Erzbahn, die mich als etwa fünfjähriges Kind in Angst und Schrecken versetzten. Hoch über mir dampften, quietschten und keuchten die vollbeladenen Erz- und Kohlewaggons unablässig dahin. Sie erschienen mir wie ein prähistorisches Monster, ein Riesenlindwurm, der drohend über uns hinweg zog, jederzeit bereit herunter zu springen und uns zu verschlingen. An weniger fantasiereichen Tagen fürchtete ich nur, dass die Wagen von den Brücken fallen und uns unter sich begraben könnten. Ich war immer froh, wenn wir es wieder einmal geschafft hatten, unbeschadet diese gefährliche Situation gemeistert zu haben.

Und heute? Wann immer ich in der Region bin, genieße ich es über die Erzbahntrasse zu radeln, den Blick von den Brücken schweifen zu lassen, zu Orten zu gelangen, die früher für die meisten Menschen unzugänglich waren, weil sie von Bergbau und Industrie besetzt waren, über die Veränderungen im Ruhrgebiet zu sinnieren, zu wissen, warum ich dieser Region so verhaftet bin… und über die kindlichen Ängste zu schmunzeln.

Eine Erinnerung von Barbara

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