Zeche Zollverein

1979

Essen Katernberg und Zeche Zollverein Schacht 12 meine Heimat. Mein Vater war im Untertage-Betrieb und ich legte 1978 dort an. Meine Frau war schwanger und wie der Zufall es so wollte, verschlief ich die Nachtschicht. Anderen Tages musste ich zum Betriebsführer, der mich aufgrund der Fehlschicht kündigte. Ich hatte Glück und bekam sofort einen anderen Job. Nach einem halben Jahr kam ein Entschuldigungsschreiben der Zeche und sollte anderen Tages sofort wieder anfahren. Was natürlich durch meinen neuen Job, wo ich heute noch tätig bin, nicht ging. Nun wurde es so ausgelegt, dass ich gekündigt habe und durfte nie wieder auf einer Zeche anheuern. Ich wohnte in der Theobaldstraße, dessen Zechenhäuser anfang der achtziger Jahre saniert wurden. Hierfür bot man uns eine Ausweichwohnung an mit dem Versprechen wieder zurück zu können, da es sich auch um mein Elternhaus handelte. Nach der Sanierung hieß es da ich nicht mehr auf Zeche wäre könnte ich nicht mehr zurück da für Bergleute reserviert. Obwohl ich wusste, dass auch die Kinder der Bergleute eine Wohnung hatten. Ich zog mit meiner Familie nach Essen Stoppenberg und im Laufe der Jahre kamen sechs Kinder zur Welt. Hier bewohnten wir 58 qm was recht klein war. Aber ich hatte mir hier eine neue Existenz aufgebaut und einen sechshundert qm großen Garten gegenüber dem Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg. Hier stand aufgrund des Wandels ein Projekt der Essener SPD an mit dem Ziel Wohnraum für Besserverdienende zu schaffen um den Essener Norden durch die Zechenschließung von Zollverein wiederzubeleben. Man enteignete mir den Garten und obwohl ich um eine größere Wohnung bat konnte man mir aufgrund der großen Kinderzahl keine andere Wohnung zuweisen. So war ich gezwungen, meine Heimat den Essener Norden zu verlassen und ins „Exil“ nach Gladbeck zu ziehen. Nach über 35 Jahren bekam ich die Chance mein Zollverein wieder zu besuchen durch ein Buchprojekt. Mein Herz erblühte, da ich selbst ein Heimatdichter bin und ich wieder willkommen war. Ich berührte den Doppelbock und all die schönen Erinnerungen kamen zurück. Ich schlenderte durch die Straßen der alten Heimat und nichts war mehr so wie es mal war. Fremde Menschen begegneten mir. In meinem Elternhaus lebten fremde Menschen. Mein Herz zerbrach. Es war nicht mehr meine Heimat aus der ich vertrieben wurde. Touristen an dem Ort, wo einst Bergleute im schweiße des Angesichts ihr Brot verdienten. Für immer habe ich meine Heimat, in der ich meine Kindheit verbrachte und an die ich viele schöne Erinnerungen habe, verloren .

Eine Erinnerung von Friedel Bolus

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