Das Tor zu einer anderen Welt

1.2.1977

Der erste Arbeitstag auf Schacht 12 Zeche Zollverein in Essen Katernberg. Angefangen hatte ich eine Lehre als Elektriker. Das Schicksal meinte es nicht gut mit mir und ich verlor im Alter von siebzehn Jahren auf tragischer Weise meine Eltern. Um Geld zu verdienen brach ich meine Lehre zum Elektriker ab und wie mein Vater versuchte ich mein Glück auf Zeche Zollverein. Ich habe nachgefragt ob sie noch Leute für den Untertagebetrieb suchten und es hatte geklappt, ich legte auf Zollverein als Jungbergmann an. Einen Tag vor meiner ersten Schicht wurde ich neu eingekleidet. Helm, Helmlampe Stiefel, Schienbeinschoner und natürlich ein Schneeweißer neuer Arbeitsanzug. Der Tag der ersten Schicht kam, zur Frühschicht um sechs Uhr in der früh kam ich schon eine Stunde eher um mich einzukleiden. Das Tor zur anderen Welt war der Eingang zur Waschkaue. Die Treppen hoch und ein langer Gang führte zu einer Flügeltür, in der sich die Weiß- und Schwarzkaue befand. Die Kleidung hängten wir in einem Korb und zogen diesen mit einer Kette bis unter die Decke. Von der Waschkaue aus ging es zum Schacht, in dem der Korb uns je nach Einsatzort in 1000 bis 1300 Meter Tiefe beförderte. Ich betrat den Korb und das Tor zum Korb schloss sich es gab kein Zurück. In Dunkelheit nur im Schein der Helmlampe ging es mit acht Meter die Sekunde in die Tiefe. Langsam drehte sich der Magen denn es dauerte endlos lange bis wir vor Ort ankamen. Endlich, die Tür vom Korb öffnete sich. Vor mir ein hell erleuchteter Schacht und ein Zug wartete, der uns vor dem Einsatzort brachte. Ein Dumpfes Dröhnen lag um die Ohren und eine stickige Warme Luft drang durch die noch neue Kleidung. Vor Ort angekommen, hieß es im Streb, dort wo die Kohle lag, einen Weg für die Panzer, die Schienen die den Abbau Hobel führen in die Strecke zu befördern, den Weg zu begradigen. Der Streb war nur siebzig Zentimeter hoch, so dass wir hineinkriechen musten mit Schaufel und Kratzer bewaffnet um den Weg zu begradigen. Danach wurden die Panzerplatten, Schienen mit einem Hubzug und Ketten in den Streb geführt und befestigt. Damit das Hangende, die Decke, nicht herunter stürzte, wurden Stempel gesetzt. Zurecht gesägte Baumstämme mit Keilen an der Decke befestigt. Da im Streb die Temperatur über dreißig Grad lag, gab es eine sieben Stunden Schicht, da es eine körperlich Harte Arbeit war und ohne viel Trinken kaum zu bewältigen war. Nach sieben Stunden ging es wieder nach oben. Das Tageslicht hatte mich wieder. Weiß ging ich nach Unten und schwarz kam ich wieder raus. Eine harte aber doch zufriedenstellende gute Arbeit. Glückauf. Der alte Bergmannsgruß.

Eine Erinnerung von Friedel Bolus

1 Kommentar

  1. Offenheit ist das, was uns hilft unsere Wurzeln kennen zu lernen. Der Artikel gefällt mir sehr gut.

    Nicht vergessen möchte ich, die harte Arbeit unserer Bergleute. Danke, für deine Erinnerung. Glückauf Friedel.

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45141 Essen
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