Stolpersteine in Dortmund

Der in Berlin geborene und in Köln lebende Künstler Gunter Demnig verlegt seit 1996 in Deutschland und in 20 Ländern Europas Stolpersteine zum Gedenken an die Opfer in den Konzentrationslägern während der Naziherrschaft (1933-1945). Die Stolpersteine (10x10x10cm) haben eine Oberfläche aus Messing und sind mit persönlichen Daten der Opfer beschriftet. Die Steine sollen die Namen zurückbringen und an jedes einzelne menschliche Schicksal erinnern. Jeder Stein ist per Hand gefertigt und wird von Gunter Demnig (bis auf wenige Ausnahmen) persönlich verlegt. Geht man an den Steinen vorbei, so muss man sich bücken/verneigen und so dem Toten seine Achtung zollen.
Von August 2015 bis März 2016 fotografierte ich in Dortmund alle (259) verlegten Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig. Dazu kamen noch weitere 70 Fotos von den Häusern in denen die Opfer des Nationalsozialismus bis zu ihrer Deportation lebten. Häuser, die nach 1945 gebaut wurden waren nicht Bestandteil der Fotoaktion.
Gerade in der heutigen Zeit eines aufblühenden Rechtsnationalismus in Deutschland und Europa erschien es mir wichtig, mit den Bildern die geschichtlichen Zusammenhänge zu dokumentieren.
Am 27. Jan. 2017 fand beim Geschichtsverein Aplerbeck ein durch die Stadt Dortmund organisiertes Projekt („Dortmund all inclusive“) statt. Projektteilnehmer waren „Nordwärts“, der Planerladen Do., der Jugendring u. das Dortmunder Stadtarchiv. Zielgruppe waren Schüler von 5 Dortmunder Schulen. Es fanden sich über 50 Schüler mit ihren Lehrern ein. Ich hatte die Aufgabe anhand der Bilder die Geschichte der Stolpersteine vorzustellen. Danach bekamen die Schüler noch die Aufgabe Lösungsansätze für zeitaktuelle Anfeindungen zu entwickeln.
Meine persönliche Intention zu den Fotografien: Im Rahmen meiner Tätigkeit im Verein Fotokunst Dortmund e.V. wurde die Aufgabe gestellt, ein persönliches Fotoprojekt zu fertigen, welches auf der Basis einer konzeptionellen Vorgehensweise zu organisieren war.

Foto 1 Collage aus 225 (insgesamt 259) in Dortmund verlegten Stolpersteine
Foto 2 Stolperstein-Verlegung von Gunter Demnig in Bochum am
Foto 3 – 7 Opfergruppen
• Juden
• Durch Hinrichtungen am Karfreitag ´45 getötete Zwangsarbeiter, politisch Verfolgte, Asoziale, vorher inhaftierte in der Steinwache. Die Morde kurz vor Ende des Krieges wurden im Rombergpark u. in der Bittermark vollzogen.
• Homosexuelle
• Euthanasie/T4-Aktion
• Widerstand/politisch Aktive
• Bisher wurden für die Opfergruppen „Sinti u. Roma“ und „Asoziale“ noch keine Stolpersteine in Dortmund verlegt (ist in der Planung)
Foto 8 Deportationsort Südbahnhof, Heiliger Weg
Foto 9 Collage des Deportationsortes, Portraits und Stolpersteine
Foto 10 Collage von Stolpersteinen u. Wohnhäusern im Bezirk Do-Aplerbeck

Eine Erinnerung von Rolf Schuchmann

15 Bewertungen

  1. Spannend...

    Ein spannendes Thema……
    Gerne hätte ich hier direkt einen Link dazu……..

  2. !!!

    Sehr gut dokumentiert, tolle Fotos, eine wichtige Erinnerung! Grroßartig!

  3. DANKESCHÖN

    Danke für eure netten Kommentare. Ich bin auch auf Facebook zu erreichen.

  4. Außergewöhnlich eindrücklich

    Ein außergewöhlicher Beitrag. Als Erinnerungsort gehören die Stolpersteine unbedingt in dieses Portal. Die ausgwählten Bilder machen die Vielzahl der Opfergruppen deutlich. Besonders eindrücklich finde ich die Collage in Bild 9.
    „… Die Steine sollen die Namen zurückbringen und an jedes einzelne menschliche Schicksal erinnern. …“
    Durch die Stolpersteine wird ganz deutlich, dass Deportationen zum Alltag der NS-Zeit gehörten. Ich halte immer wieder an diesen Steinen kurz inne, um des Opfers zu gedenken.

  5. Tolles Fotoprojekt mit hohem "nicht vergessen " Faktor

    Ein tolles Konzept. Bild 1 und 9 finde ich besonders. Ich nehme Stolpersteine meistens wahr und finde es bedrückend und besonders dann , wenn eine ganze Familie zu Opfern wurde….. Stolpersteine sind eine wichtige Erinnerung und das Fotoprojekt ist richtig gut gelungen!

  6. Danke!

    Danke Ute!

  7. Die mir beste, bekannte Arbeit, im öffentlichen Raum gegen das Vergessen.
    Sensationell

  8. Wow, tolles Projekt! 😃

    Super Fotos und auch eine sehr schön gestaltete Seite…
    Man merkt, da steckt viel Arbeit und Leidenschaft drin.

  9. Niemals wieder darf so etwas passieren!

    Ich finde es unheimlich wichtig, dass diese Zeit niemals vergessen wird! Gerade in der heutigen Zeit so aktuell wie nie zuvor! Vielen lieben Dank hierfür! Eine sehr gute Aktion!

  10. Hervorragend!

    Wunderschöne Bilder und eine tolle Ausarbeitung!

  11. Sensationell!

    Die Stolpersteine selbst sind schon unglaublich beeindruckend, aber die Darstellung durch dieses Fotoprojekt potenziert Effekt. Einfach großartig!

  12. Danke!

    Für eure Kommentare möchte ich mich recht herzlich bedanken. Habe mich sehr gefreut darüber.

  13. Eine besondere , wichtige Arbeit, gerade jetzt

    Diese Zeit der dunkelsten Geschichte Deutschlands darf nie vergessen werden.
    Diese Steine sind eine besonders eindringliche Form, der Opfer zu gedenken. Dazu diese Seite vertieft noch einmal das Gedenken und hilft, dass diese Opfer und ihre Geschichte einfach nicht vergessen werden.
    Für mich eine Herzensangelegenheit.

  14. Tolle Arbeit

    Schöne Bilder

  15. Nachgedacht

    Nun beschäftige ich mich schon fast 2 Jahre mit der Geschichte der Stolpersteine und die dahinter verborgene Geschichte und Schicksale der Menschen. Die Hintergründe dieser kleinen Mahnmale waren teilweise erschütternd. Steht man vor den vielfach noch vorhandenen Häusern und fotografiert und liest die Inschrift und schaut sich die teilweise noch vorhandenen Portraitfotos an, dann bekommt der Stolperstein eine ganz andere Dimension. Es sind keine „normalen“ Fotos. Jedes Bild bedeutet ein Opfer der Nationalsozialisten. Viele davon wurden 1942 am Dortmunder Südbahnhof wie Vieh zusammengetrieben und in Waggons gen Osten in die Tötungsfabriken verbracht. Von diesen Menschen kam so gut wie keiner zurück. Stolpersteine sind gegen das Vergessen verlegt. Es soll der heutigen Generation dazu dienen, sich daran zu erinnern was in 12 Jahre (von 1933-1945) geschah und eigentlich 1.000 Jahre (NS-Propaganda im „Dritten Reiche“) dauern sollte. Derzeit liegen knapp 65.000 Stolpersteine in ganz Europa stellvertretend für Millionen Tote.

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