Rundfahrt durchs Ruhrgebiet

2016

Wer mit dem Auto durchs Ruhrgebiet fährt (was ich gern gelegentlich mache), der wird feststellen, wie massiv das „alte Ruhrgebiet“ noch existiert. Besonders natürlich in den Vororten (Essen oder Gelsenkirchen zum Beispiel). Du durchquerst über lange Strecken Straßenzüge mit schlichter Nachkriegsarchitektur, Koloniegebäude, staubdunkle Häusergiebel, bislang noch nicht restaurierte Stuckfassaden,  – dir begegnet eben all das, was das Ruhrgebiet in den Ruf gebracht hat, eine ziemlich hässliche, dreckige Ecke zu sein.  Und doch, gerade dieses etwas Unwirtliche, diese Härte, die von diesen knochigen Häusern auszugehen scheint, vermittelt mir (beim Vorbeifahren) eine Vertrautheit und Nähe, die mir das Gefühl einer besonderen Zugehörigkeit vermittelt. Mögen sie in den Stadtzentren Glitzerpaläste die Menge errichten (das „Palais Vest“ in RE, welch ein Name!), für mich liegt die Seele des Ruhrgebiets nach wie vor in diesen Vorstadt-Ecken, wo die Zeit (zumindest vom äußeren Anschein her) stehen geblieben zu sein scheint. Doch sie hat sich natürlich weiterbewegt!

Es ist paradox, dass ich in solchen Momenten ein bestimmtes Heimatgefühl gerade in diesen Stadtteilvierteln erlebe, die man NIE einem konventionell denkenden Besucher zeigen würde. Mit Stolz womöglich. Nein, nein, nicht denkbar! Aber gerade das  macht das Wohlgefühl gegenüber diesem eher versehrten, bedürftigen, im traditionellen Sinne unansehnlichen urbanen Gelände so spannend. Wir haben es ganz für uns allein!

Eine Erinnerung von Werner Streletz

2 Bewertungen

  1. Bitte mehr Fotos

    „… paradox, dass ich […] ein bestimmtes Heimatgefühl gerade in diesen … Stadtteilvierteln […], die man NIE einem konventionell denkenden Besucher zeigen würde.“
    Ich kann dieses Gefühl nachvollziehen. Aber besteht das Paradoxon nicht eher darin, dass Du gerade die Viertel niemend Auswärtigem zeigen willst, die Dir ein Heimatgefühl vermitteln?

    Was Einkaufszentren angeht, haben es die Missfits auf den Punkt gebracht:
    „Die neue Mitte der Stadt is ’n Kaufparadies,
    doch wat willse Dir holen mit so wenich Kies“ (1)

    Das Foto der Zechensiedlung finde ich schön und sehr typisch. Kannst Du vielleicht noch weitere (2) hinzufügen lassen?

    ————————
    (1) Missfits, „Oberhausenlied“ (https://www.youtube.com/watch?v=X3GvNlH_5Ok)
    (2)aber bitte wenn ’s geht größere. 267 × 189 Pixel ist zu klein

  2. Nicht "paradox"

    „Paradox“ ist in diesem Zusammenhang dass absolut falsche Wort. Der Ruhrpott ohne alte Arbeitersiedlungen wäre nicht der Ruhrpott. Unwirtlich, hart, knochig? Ich weiß nicht, was diese Begriffe hier sollen. Oberhausen-Eisenheim, Duisburg-Marxloh, Dinslaken-Lohberg… diese Siedlungen und alten Malocherbuden sind es überall wert, stehen zu bleiben, zu schauen und ggf. zu fotografieren. Ich weiß nicht, wieviele Hunderte Fotos ich an solchen Orten schon gemacht habe.

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