Bochumer Woodstock… und noch mehr Musik

27. Juli 1974

Fünf Jahre nach den legendären 3 Days of Peace & Music im US-Bundesstaat New York erlebten wir Bochumer Musik-Fans unser kleines Woodstock: den open air HOT SUMMER DAY am 27. Juli 1974 in den Ruhrwiesen an der Kemnader Brücke. Während ansonsten die top acts des Rocks mangels einer adäquaten Veranstaltungstätte eher einen Bogen um Bochum machten, waren nun Savoy Brown, Thin Lizzy, Hardin und York und UFO aus GB,
Earth and Fire und Livin‘ Blues aus den Niederlanden und die deutschen Gruppen Grobschnitt und Electric Mud plakatiert. Um es vorwegzunehmen, Savoy Brown und Thin Lizzy hatten ihren Auftritt leider abgesagt.

Die Veranstalter verkündeten auf Plakaten und Handzetteln:
„Mit diesem Festival will niemand das dicke Geld machen. Es ist als Non-Profit-Veranstaltung geplant. Die Eintrittspreise sind entsprechend knapp kalkuliert. Trotzdem können Vorverkaufskarten für DM 5,- nicht in unbegrenzter Zahl ausgegeben werden.
Deshalb Karten möglichst rasch besorgen.“
VV-Karten gab es an den bekannten Stellen im ganzen Ruhrgebiet, Karten an der Tageskasse kosteten 10,- DM. Letztlich konnten 10.000 Karten abgesetzt werden.

Die fehlende Routine der Macher wurde beim Ablauf deutlich. Der Beginn verschob sich bis nach 13.00 Uhr. Die Bühne wies einen eher spröden Charme auf. Aber alle Besucher erreichten einschließlich meiner Person eine euphorischen Stimmung, für uns war es damals das Größte, zumal auch das Wetter mitspielte. Unser Outfit war durchaus zeitgemäß, also hippielike. Alles blieb friedlich, unsere Energie ging in den musikalischen Darbietungen auf.
Von allen Bands wurden frenetisch Zugaben gefordert. Ein glücklicher Tag!

Unterhalb dieses Levels gab es in den 70er Jahren natürlich jede Menge Live-Musik in Bochum und den Nachbarstädten. Die Ruhrlandhalle bot neben ungezählten arrivierten Künstlern (Udo Jürgens, Udo Lindenberg, Juliette Greco, Abi und Esther Ofarim, Chris Barbers Jazz and Blues-Band, Manfred Mann, Hazy-Osterwald-Sextett, Manuela, Mal Sondocks Record Hop und vielen anderen) auch Gruppen aus dem Ruhrgebiet eine Bühne. Der Hamburger Star Club eröffnete in einem ehemaligen Kino an der Hattinger Straße 340 eine Filiale. Ebenfalls in einem früheren Kino fand man in Laer an der Wittener Straße die Black and White Bar. Im Capitol-Kino an der Kortumstraße erlebte ich die Rattles. Live ging es auch bereits teilweise ab Ende der 50er Jahre in der Nord-Süd-Halle, dem Tattersall, der Kaiseraue, dem Parkhaus im Stadtpark, dem Hotel Reichshof an der Alten Bahnhofstraße, im Haus Lothringen in Gerthe und dem Hotel Industrie an der Herner Straße zu. Zu Musik von der Schallplatte tanzten wir gerne in der „Kulisse“ in der Brüderstraße und der Kessy-Tanzbar an der Bongardstraße. „Im Schuppen“ an der Luisenstraße/Ecke Hellweg lag der Schwerpunkt mehr auf Jazz.
Im November 1981 eröffnete in der ehemaligen Schlosserei der Zeche Prinz Regent die
„ZECHE“. Die Liste der dort aufgetretenen Gruppen und Interpreten liest sich wie das Register des Who is Who der Musikbranche, von unserem „Herbie“ bis hin zu Weltstar Tina Turner.

Eine Erinnerung von Norbert Hugo Wagner

2 Bewertungen

  1. Tolle Bilderstrecke

    Schöner Erinnerungen, und deine Bilderstrecke ist grandios!!! Ein sehr schöner Beitrag. Thin Lizzy und Grobschnitt habe ich auch gesehen, aber anderswo (in Dortmund TL beim Monsters Of Rock 1983 und Grobschnitt 1981 in Wesel), ich bin ja etwas jünger als du und war 1974 gerade mal 9…

  2. Wir waren auch da!

    Hallo Norbert Hugo,
    auch wir (meine Frau und ich) waren auf dem Hot Summer Day Open Air Festival, eines von vielen in dieser nicht nur verklärten guten Zeit, von denen wir uns auch mit unseren zwei wunderbaren Töchter und ihren Freunden noch heute unterhalten. Meine Frau hat auf Fehmarn das letzte Konzert von Jimi Hendrix erlebt. Ich wäre beinahe in Woodstock gewesen, was am Ende durch meine Eltern scheiterte, da ich erst 17 Jahre alt war und im letzten Jahr meiner kaufmännischen Ausbildung. So musste ich die Freaks mit ihren T1-VW-Bus alleine ziehen lassen. Dennoch haben wir in der 2. Hälfte der 60ér Jahre so viele Konzerte und Festivals mit heutigen Rang und Namen erlebt, die damals greifbar nah und noch relativ unbekannt waren. Zentraler Ausgangspunkt war für mich Dortmund, meiner Heimatstadt, obwohl ich nun 30 Jahr in Bochum wohne, auch eine Stadt mit Kulturangeboten. In Dortmund ging es initiiert durch einen Holländer so richtig in folgender Reihenfolge ab, Ruud van Laar. Birds Club, Ostenhellweg, Pille, Kampstrasse, Fantasio, Münsterstrasse (ehemals 77), Sun is Rising In Brain, Wittener Strasse, Woodstock, Zimmerstrasse, daneben die Westfalenhalle mit guten Konzerten. Jede Woche ein Event, daneben in anderen Städten wie Essen und Wuppertal (Börse, Viehof) und Düsseldorf jede Menge Konzerte. Die Liste wäre ganz schön lang, alle aufzuzählen. Auch wir haben eine entsprechende Kartensammlung. Es würde uns interessieren, ob Du auch heute noch Jazz- und Blueskonzerte besuchst.

    Viele Grüße
    Monika und Wolfgang

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