Malochen auf Zeche Zollverein

1958

Ende der fünfziger Jahre, auf dem Foto im Jahre 1958, war ich auf der Zeche Zollverein Untertage im Dreischichtbetrieb beschäftigt. Die Arbeit war, egal wo, hart und schwer! Ich arbeitete im Streckenvortrieb, im Streb vor Ort, Nachmittagsschicht beim Panzer rücken und in der Nachtschicht als Rauber. In der Frühschicht war ich an der Kohle. Das Gezähe, jeder Bergmann hatte sein eigenes, schleppte man bis an seinen zugeteilten Abschnitt. Preßlufthammer, Panne, Säge, Beil usw. Dort blieb es dann, wenn ich z.B. mehrere Monate vor Kohle gearbeitet habe. Meißel mußte man mehrere zum Wechseln bei haben; die Kohle war hart! Unser Streb war etwa 110 cm/140 cm hoch, bei einer Störung manchmal nur 60 cm. Der Staub war so dicht, dass ich die Handlampe, die vielleicht drei Meter von mir entfernt hing, kaum sehen konnte. Staub- und Mundschutz gab es damals noch nicht. Wir hatten als Ausbau Holzstempel und Schalhölzer. Stempel wurden von jedem Bergmann selbst passend zugeschnitten. Nicht nach cm, sondern etwa so: 3 Fuß, 4 Finger! – Wenn das Gebirge manchmal 14 Tage nicht abbrach, drehten sich die Stempel unter der Last und quietschten. Oder an die Gebirgsschläge kann ich mich auch noch erinnern. Wir sagten dann: jetzt tanzen die Stempel. Ich kann mich nicht erinnern , dass uns irgendwann mulmig zumute war. Der Steiger kam täglich durch – „jetzt kommt der „Blitzer“, hieß es nur. Signale wurden durch klopfen auf der Druckluftleitung durchgegeben; z.B. Holztransport oder Feierabend. Dann ging es mit dem Personenzug zum Hauptschacht. Auf den Kohlenzügen mitzufahren war verboten und lebensgefährlich!  – Je nachdem wie schräg das Flöz war, befand sich innerhalb des Bergwerks ein Blindschacht, wo es nochmal 30 Meter tiefer ging. Den Fahrkorb betätigten wir meist selbst. Die Arbeit, die Sprache der Kumpel untereinander haben mich fürs Leben geprägt!
Der eigentliche Erinnerungsort ist nicht nur die Zeche, sondern auch Schonnebeck! Auch bei Karl Albrecht in der Gerhardstr. 3 habe ich als Beifahrer gearbeitet. In Ramachersfeld habe ich zur Untermiete gewohnt. Die Häuser und Grundstücke sind heute kaum wieder zuerkennen. Die nachfolgende Generation hält die Siedlung prima in Ordnung.

Eine Erinnerung von Gerhard Mirau

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