Katholenbunker

1976

Als frischgebackener Design-Student der Folkwang-Hochschule bin ich 1974 in das Katholische Studentenwohnheim „Roncalli-Haus“ eingezogen und habe dort bis zu meinem Start ins Berufsleben im August 1978 gewohnt.

Für mich als Einzelkind war dies eine völlig neue Erfahrung: zahlreiche Studierende aller möglichen Fachrichtungen, aus den verschiedensten Bundesländern und den unterschiedlichen Nationen dieser Welt lebten hier harmonisch zusammen. Ich lernte ganz nebenbei etwas über die angesagten Musikstile, zeitgemäße Moden und Tänze, indisches Curry, wie man richtige Feten feiert und vieles mehr.

1975 zog die Lehramtstudentin Mariele in eine der Mädchenetagen des streng katholischen Hauses ein. Der wachsame Studentenpfarrer, die immer gut informierte Heimleiterin und der wohlwollende Hausmeister wohnten gleich neben dem Wohnheim in drei Appartements.

Das Arbeitsleben führte mich nach München und Mariele ins Referandariat nach Recklinghausen. 43 Jahre später haben wir uns wiedergetroffen und nach zwei unterschiedlich gelebten Leben dort weitergemacht, wo wir 1978 aufgehört haben.

Ein emotional besetzter Erinnerungsort hat auch immer etwas von Heimat. Sogar noch heute, wo das Studenwohnheim – wie auch die daneben liegende Pädagogische Hochschule – abgerissen wurden und einer Siedlung von Einfamilienhäusern weichen mussten.

Was bleibt, ist die Lebenserfahrung von harmonischem Miteinander mit positivem Blick in die Zukunft.

Eine Erinnerung von Werner Biedermann

4 Bewertungen

  1. Schön war die Zeit

    Ich kann nur zustimmen, da ich auch dort wohnte. Es war eine tolle Zeit.
    Sex and drugs and rock and roll :- )

  2. Tolle Zeit

    Ja, schön war die Zeit – aber bei mir ohne Drugs!

  3. Erinnerungen

    Auch ich war damals in diesem Studentenwohnheim.
    Da werden Erinnungen wach …

  4. Zeit und Raum als Heimat

    Zeit und Raum als Heimat

    Du hast ja so Recht, Werner!

    Die drei Jahre im „Katholenbunker“ waren auch mir eine Heimat.
    Als ich 1975 ins „Roncalli-Haus“ einzog, fand ich dort eine Ersatzfamilie, denn ich war zusammen mit meinen Eltern, zwei Geschwistern und meiner Oma im Haus groß geworden.

    Während des 1. Semesters hatte ich dann – in einem antiquiert eingerichteten – möblierten Zimmer unter dem Dach in der Bäuminghausstraße nichts als Heimweh!

    Die Zeit im „Katholenbunker“ jedoch habe auch ich nicht nur als Lehramts-Studienzeit, sondern auch als Lebens-Studienzeit erlebt. Dazu gehörten neben dem regelmäßigen Pintendienst im Studentenwohnheim und den Feten bis zum frühen Morgen auch gemeinsame Koch-Aktionen, Ausflüge über die Grenze bis nach Venlo und anderswo hin. Ein alljährlicher Höhepunkt war die Nikolausfeier mit Omas selbst genähtem Bischofskostüm bei uns auf der Mädchen-Etage.
    Und du, Werner, brachtest mir in tagelanger mühevoller Kleinstarbeit eine Tonspur auf meinen alten Super-8-Film auf, während ich – gegen alle Sicherheit im Straßenverkehr und bei Glatteis – dein defektes Auto auf der viel belebten Richard-Wagner-Straße in die Werkstatt nach Borbeck abschleppte.

    Leider erfuhr unsere beginnende Liebesgeschichte 1987 eine Trennung. Jedoch bei den jährlichen Dreikönigstreffen konnten wir uns zumindest einmal im Jahr über unsere je eigenen Lebenswege austauschen.

    Dennoch: Getreu der alten Weisheit „Alte Liebe rostet nicht …“ sind wir uns gegenseitig Heimat geblieben und nach 43 Jahren fanden wir einen neuen gemeinsamen Anfang an der Ruhr, diesmal in Schwerte.

    Mariele

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