Glückaufhaus

1960er Jahre bis heute

Aufgewachsen im Essener Südviertel, führte mein täglicher Weg zur Grundschule an der Goethestraße an einem großen alten Ziegelgebäude, einem Bürohaus, vorbei, das Glückauf-Haus genannt wurde. Zu dem Komplex gehört(e) ein Kino, das Filmstudio, in dem zu dieser Zeit haupsächlich nicht jugendfreie Filme gezeigt wurden.
Der Weg zum Gymnasium führte mich nicht mehr täglich daran vorbei, doch das Haus blieb für mich präsent, auch später, als ich bei meinen Eltern aus- und noch später aus Essen weggezogen war und in den 1990er Jahren wurde das Filmstudio, das sich inzwischen zum Programmkino gemausert hatte, mein liebstes Kino. Ich liebte die alte Einrichtung, fand das Programm interessant und kam regelmäßig aus Bochum zum Kinobesuch herüber.
Im neuen Jahrtausend stand das Glückaufhaus dann leer. Die Fenster waren mit Brettern vernagelt und das Filmstudio geschlossen. Den Gedanken an einen möglichen Abriss des seit 1988 denkmalgeschützten Hauses fand ich schlimm, nicht zuletzt wegen seiner historischen Bedeutung – hier war während der Nazi-Zeit die Gauleitung der NSDAP untergebracht. Schon allein deshalb fand ich es erhaltenswert – als Mahnmal für eine schreckliche Zeit.
Mit Erleichterung konnte ich dann einige Jahre später sehen, dass an dem Haus Bauarbeiten begonnen hatten. Die Fassade wurde abgestützt, das Gebäude entkernt und ein modernes Bürohaus hinter der Fassade erreichtet. (Das ehemalige Textilhaus Loosen, vorm. Gustav Blum (heute Peek & Cloppenburg) wurde 1988 in ähnlicher Weise umgebaut. Der Architekt das Glückaufhauses hatte auch dieses Gebäude entworfen.) Das Haus besteht weiter und stellt für mich eine gelungene Sythese aus alter und (post)moderner Architektur dar. Ich freue mich, dass es in dieser Form weiter besteht. Auch das Filmstudio gibt es wieder – mit der schönen alten Einrichtung und neuer Technik.
Die meisten Fotos zeigen die Fassade während der Bauphase. Eines zeigt eine Fußgängerbrücke über die Alfredstraße mit der Steag-Zentrale, einem schönen Beispiel für Büroarchitektur der 50er Jahre von Egon Eiermann im Hintergrund und ein weiteres den alten Teil des Folkwangmuseums und die Baustelle des neuen Museums von David Chipperfield.
Mit dem Alt- und Neubau des Folkwangmuseums, dem restaurierten Gückaufhaus und dem ebenfalls inzwischen restaurierten STEAG-Gebäude findet sich hier ein architektonisch interessantes Ensemble verschiedener Zeiten und Stile, das mir seit Kindertagen vertraut ist und das ich mir immer wieder gerne anschaue.
(Alle Fotos habe ich im Januar 2008 aufgenommen.)

Eine Erinnerung von Arne

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