FC Schalke 04

1904

Der FC Schalke 04 war weder der erste Verein im Ruhrgebiet, der das Fußballspiel für sich entdeckte, noch sind seine sportlichen Erfolge bis heute unübertroffen. Als allerdings der Fußballsport in den 1920er Jahren seinen Durchbruch zum Massenspektakel erlebte, war der FC Schalke 04 der Verein aus der Mitte des Ruhrgebiets, hinter dem sich die gesamte Region, die gerade erst dabei war, ihre eigene Identität zu entdecken, versammeln konnte. Das schöne und kreative Spiel des „Schalker Kreisels“, das sich mit einem unbändigen Einsatzwillen verband, der als Charakteristikum der Arbeiterfußballer wahrgenommen wurde, löste Begeisterungsstürme an Rhein und Ruhr  – und weit darüber hinaus – aus.

Die erste deutsche Meisterschaft, die ein Fußballverein aus dem Ruhrgebiet gewinnen konnte, feierte man 1934 nicht nur am Schalker Markt – auch in Dortmund wurde die Mannschaft um Ernst Kuzorra und Fritz Szepan von der Bevölkerung mit euphorischem Jubel empfangen, als sie auf dem Rückweg vom gewonnenen Berliner Finale in der Stadt Station machte und sich ins Goldene Buch eintrug – von der späteren leidenschaftlichen Konkurrenz zum örtlichen Ballspielverein Borussia war noch nichts zu spüren. Bis 1942 sollten noch fünf weitere Meistertitel und ein Pokalsieg folgen – dennoch stellt diese Phase der Vereinsgeschichte keineswegs ein unbeflecktes Ruhmesblatt dar, waren die Verbindungen verschiedener Schalker Protagonisten zum NS-Regime doch ziemlich eng und der Verein kein Hort des politischen Widerstands, sondern in seiner weitgehend bedenkenlosen Anpassungs- und Mitmachbereitschaft ein typischer Vertreter des organisierten Sports.

Nach 1945 endete die sportliche Dominanz des FC Schalke 04 im Westen. Aber obgleich die Schalker sowohl in der Oberliga West als auch in der Bundesliga sportlich immer wieder von anderen Ruhrgebietsvereinen überflügelt wurden, die sie früher mühelos dominiert hatten und die sich in der Lage zeigten, auch über Stadtgrenzen hinweg große Sympathien zu binden, blieb der FC Schalke 04 weiterhin die Verkörperung des Ruhrgebietsfußballs. In der wechselvollen Geschichte des Vereins, die sportliche und ökonomische Tiefpunkte sowie verpasste Chancen ebenso umfasst wie unerwartete Außenseiter-Triumphe, überbordende Emotionen, einen ungebrochenen Willen zur Selbstbehauptung und nicht zuletzt einen Migrationshintergrund, spiegeln sich in einzigartiger Weise charakteristische Geschichten und Bilder des Ruhrgebiets. Wer an den FC Schalke 04 denkt, denkt das Ruhrgebiet stets mit.

Eine Erinnerung von Daniel Schmidt

4 Bewertungen

  1. S04 Meister 1958

    Einige Male sind wir 1958 mit dem Fahrrad von Bottrop zur Glückauf-Kampfbahn gefahren und haben die Meisterschaft von S04 miterlebt.
    Ich habe versucht, mich an die Namen der Spieler zu erinnern. Fehlanzeige.
    Kannst Du sie uns nennen?
    Danke

  2. !!!

    Endlich mal ein differenzierter Beitrag zu einem allzu volkstümlichen Thema, das mich gewöhnlich nicht interessiert. Vor allem freut mich, dass hier nicht aus der scheuklappenblinden Perspektive des typischen Schalke-Fans geschrieben wurde. Ein wirklich sehr sehr guter Text!!!

  3. Die Glückauf-Kampfbahn habe ich nicht mehr miterlebt weil zu jung.
    Aber im alten Volkspark-Stadion war ich noch. Da wurde man auf den Plätzen der Gegengeraden noch naß, wenn es regnete. Und die Bude mit der Erbsensuppe ist bis heute unvergessen.

  4. @Alexis
    Hallo Alexis, ich nehme an, dass Du das „Parkstadion“ meinst. Das „Volksparkstadion“ befindet sich in Hamburg.

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Ernst-Kuzorra-Weg 1
45891 Gelsenkirchen
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