Erinnerungsorte der Industriegeschichte des Ruhrgebiets

1996 - 2015

Ehemalige Produktionsstätten der Eisen- und Stahlindustrie sowie Zechenanlagen sind natürlich im Ruhrgebiet Erinnerungsorte mit hohem Identifikationswert. Viele Zeugen unserer industriellen Vergangenheit, die sich noch vor 15-20 Jahren in einer Art Dornröschenschlaf befanden, sind inzwischen dem Erdboden gleichgemacht. Andere haben überleben können, weil sich für sie Folgenutzungen gefunden haben. Ein kleiner Teil hat den Status musealer Objekte bekommen und bewahrt typische Produktionsstätten auch für kommende Generationen.
Ich möchte das oben Gesagte an einigen Beispielen illustrieren. Alle hier gezeigten Fotos stammen aus meiner jahrelangen fotografischen Beschäftigung mit dem industriellen Erbe unserer Region.
1. Zeche Westhausen in Dortmund Bodelschwingh
Zusammen mit dem denkmalgeschützten Malakowturm von 1872 sind wesentliche Teile der Tagesanlagen erhalten geblieben. Viele Gebäudeteile haben eine neue gewerbliche Nutzung erfahren. Die kathedralenartig gebaute Lohnhalle ist mehr und mehr dem Verfall preisgegeben.
2. Zeche Bonifacius in Essen Kray
Wie viele Zechengebäude des ausgehenden 19. Jahrhunderts sind die Tagesanlagen stark im Historismus verhaftet. Hier haben Nachfolgenutzungen zum dauerhaften Erhalt vieler Gebäudeteile geführt. In der zentralen Lohnhalle hat sich seit Jahren ein Hotelbetrieb angesiedelt. Ein Weinlager und ein gastronomischer Betrieb beleben weitere Gebäudeteile.
3. Zeche Waltrop
Eines der größten erhaltenen Ensembles von Übertageanlagen mit 11 Gebäuden ist die kaiserliche Zeche Waltrop von 1903.
Die Hallen wurden nach Bestimmungen des Denkmalschutzes restauriert und an junge Unternehmen vergeben.

4. Zeche Adolf von Hansemann in Dortmund Mengede

Wie eine mittelalterliche Burganlage thront sie an der Bahnlinie in Dortmund Mengede. Lohnhalle und Kaue demonstrierten für die Bahnreisenden an der Bahnstrecke die neue Macht der Bergwerksbesitzer.
Nach der Stilllegung verfielen die verbliebenen Tagesanlagen mehr und mehr. Bis nach denkmalsgerechtem Umbau ein überbetriebliches Ausbildungszentrum des Gerüstbauer-handwerks die Gebäude übernahm.

5. Zeche Ewald Fortsetzung in Oer-Erkenschwick

Die Zeche am nördlichen Rand des Ruhrgebiets nahm 1902 die Förderung auf. Die Gebäude weisen den typischen historisierenden Backsteinstil dieser Zeit auf. Nach wechselvoller Geschichte in das Bergwerk Haard eingegliedert, erfolgte die Stilllegung Ende der 1990er Jahre. Erhalten blieben das deutsche Strebengerüst mit Schachthalle, das Maschinenhaus Schacht 3 und ein Verwaltungsgebäude.

6. Ehemalige Bahnbetriebswerke Gelsenkirchen Bismarck und Duisburg Wedau

Mit dem Kohleabbau im großen Stil und dem rasanten Aufbau der Eisen- und Stahlindustrie wurde es notwendig, gigantische Mengen an Rohstoffen und Produkten zu befördern. Es entstand das dichteste Schienensystem Europas. Verlassene Betriebsanlagen und überwucherte Gleisanlagen sind Zeugen dieser Zeit.
In Gelsenkirchen Bismarck ist es gelungen, den Ringlokschuppen von 1924 nebst Drehscheibe und Nebengebäuden zu erhalten. Ein Förderverein hat die Nutzung der Anlagen übernommen und restauriert erhaltene Dampfloks und Waggons.

Für das ähnlich bedeutsame Bahnbetriebswerk in Duisburg Wedau von 1878 fand sich nach der Stilllegung 1977 keine Nachfolgenutzung. Die noch erhaltenen Gebäude, darunter ein Wasserturm der Bauart Klönne, sind zunehmend dem Verfall ausgesetzt.

Eine Erinnerung von Burkhard Heringhaus

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