Die Zeche Lothringen im Stadtteil Bochum Gerthe

1967-heute

Zechen und das was von ihnen geblieben ist sind starke Erinnerungsorte im Ruhrgebiet. Die Entwicklung des Stadtteils Bochum Gerthe ist eng verknüpft mit dem Aufstieg der Zeche Lothringen. Ehemalige Zechensiedlungen, Steigerhäuser mit Jugendstilfassade, eine Seilscheibe auf dem Gerther Maktplatz und einige erhalten gebliebene Zechengebäude erinnern an die große Zeit des Bergbaus in diesem Stadtteil.
1967 erfolgte die Stilllegung mit damals noch rund 3000 Beschäftigten.
Von der Schachtanlage 1/2/6 an der Lothringer Straße sind das Verwaltungsgebäude, die Maschinenhäuser, das Magazingebäude und Bauten der Ammoniakfabrik in sehr gutem Zustand erhalten.
In der ersten Hälfte 1990er Jahre besuchte ich auf einer meiner fotografischen Exkursionen erstmalig das Gelände der ehemaligen Zeche.
Das ehemalige Magazingebäude hatte schon eine neue Nutzung; hier siedelten sich Kulturschaffende an, die sich im „Kulturrat“ zusammengeschlossen hatten. Während dieser Zeit befanden sich die anderen verbliebenen Gebäude noch im Dornröschenschlaf; vor allem die Fördermaschinenhalle von Lothringen1/2 mit ihrer wunderschönen Jugendstilfassade zeigte sich in beklagenswertem Zustand.
Später zog ich selbst in diesen Stadtteil Bochums und konnte die weiteren Veränderungen aus der Nähe verfolgen.
Sowohl die Fördermaschinenhalle 1/2 als auch die Maschinenhallen Lothringen 6 sind mittlerweile grundsaniert und werden nun von jungen Unternehmern und Existenzgründern genutzt. An die drei roten Schornsteine von Lothringen 1/2, dem einstigen Symbol des Stadtteils, im Volksmund „Die drei großen Herren“ genannt, erinnern heute drei Gitterkamine über Lüftungsschächten, gut sichtbar auf einer künstlichen Halde errichtet.
Dem Verwaltungsgebäude, für das bisher noch keine neue Nutzung gefunden werden konnte, droht der Abriss. Dagegen kämpft inzwischen eine lokale Initiative, die sich für den Erhalt dieses Gebäudes einsetzt.
Die Geschichte der Zeche Lothringen ist im Gedächtnis der Bevölkerung des Stadtteils nach wie vor lebendig; das zeigt sich immer wieder bei besonderen Gelegenheiten.
Überwältigend war die Teilnahme an der Aktion „Schachtzeichen“ im Rahmen der Aktivitäten zur Kulturhauptstadt 2010. Symbolisch wurden dabei Standorte ehemaliger Bergbauschächte und Zechen mit großen gelben Heliumballons markiert.
Der Heliumballon für Lothringen war auf dem Parkplatz vor den beiden Maschinenhäusern verankert.
Für ein einwöchiges Rahmenprogramm hatte der Knappenverein gesorgt – mit kulturellen Veranstaltungen und einer Ausstellung zur Stadtteilgeschichte.
In Bochum war dies sicherlich die lebendigste Veranstaltung zur Erinnerung an den Ruhrbergbau unter breitester Beteiligung von Schulen, Vereinen, Vertretern der Kirchen sowie der ortsansässigen Bevölkerung. Mehrere hundert Menschen nahmen zu Pfingsten 2010 an der Bergparade zur Halde „Über(n)ort“ teil, an der ein Gottesdienst abgehalten wurde.
Dem Bergmanns- und Kameradschaftsverein war es gelungen, die Erinnerung an die Bergbauvergangenheit zu einer Angelegenheit des gesamten Stadtteils zu machen.
Der Umzug endete auf dem Platz vor den Maschinenhallen mit dem gemeinsamen Singen des Steigerlieds.

Eine Erinnerung von Burkhard Heringhaus

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