Club Liberitas

1963 - 1972

Seit 1963 existierte am Bochumer Nordring in einem ehemaligen Friseurladen (130 Quadratmeter) der Club Liberitas. Der Club entwickelte sich bald zum Treffpunkt der mehr oder weniger linken Szene. Die Ruhr Universität hatte zum Wintersemester 1965/66 mit 1057 Studenten den Lehrbetrieb aufgenommen und die neue Klientel brachten frischen Wind in die Stadt.

Neben dem Kulturprogramm (Lesungen, Kunstausstellungen und Musik) wurde einmal wöchentlich eine Beratung für Kriegsdienstverweigerer geboten.
Gründer dieser selbstverwalteten Kulturstätte waren Leonardo Bauer und etwa 40 Gleichgesinnte. In den ersten Jahren braucht man einen Clubausweis, denn der Betrieb war nicht konzessioniert. 1969 gründete Bauer den „Club Liberitas – Gesellschaft zur Förderung kultureller Veranstaltungen GmbH“. Danach wurde das kulturelle Leben in Bochum kräftig bereichert. Die Clubräume erwiesen sich bald zu klein, sodaß andere Säle bis hin zur Ruhrlandhalle angemietet wurden. Die Liste der Künstler war durchaus prominent. Bauer gelang es, u.a. die Elektro-Pop-Band Kraftwerk, Albert Mangelsdorff, Champion Jack Dupree, Schnuckenack Reinhardt, Franz Josef Degenhardt, Hannes Wader, Dietrich Kittner, Renaissance, Peter Brötzmann, Dave Pike Set, Otto Waalkes und Udo Lindenberg zu verpflichten.
Ich kann mich auch noch gut an ein Konzert mit „Anima“ Paul und Limpe Fuchs erinnern. Limpe spielte Schlagzeug und legte nach ein paar gespielten Stücken den BH ab, ihr Alleinstellungsmerkmal.
Neben Leonardo Bauer stand Eckehard Pietschner genannt Epi im Vordergrund. Er betreute den Bereich Bildende Kunst. Als seine herausragendste Aktion erwies sich im Nachhinein das von ihm in der Aula der Berufsschule am Ostring veranstaltete Arschdruckhappening. Die Künstler trugen eine Art Lendenschurz. Nachdem dieser hinten hochgeklappt wurde, konnte das Gesäß mit Druckerschwärze bestrichen werden. Anschließend stand dem Abdruck auf großen Papierbögen nichts mehr im Wege. Man konnte für 5 DM ein signiertes Blatt der Künstler erstehen, oder sich selbst verewigen.
Diese Kunstaktion schaffte es bis zu einem Bericht in der Hamburger Illustrierten Stern.

Eine Erinnerung von Norbert Hugo Wagner

1 Kommentar

  1. Tolle Erinnerung

    Ich durfte damals nicht dort hinein, weil,ich zu jung war. Aber ich beneidete meine Cousine sehr um ihren Club-Ausweis.
    Erwähnen sollte man vielleicht noch, dass Leo Bauer später der „Erfinder“ des Bermuda-Dreiecks wurde.

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